Kastrationsprojekt mit Dr. Tim Bonin und Dr. Anne-Katrin List
19.08. - 26.08.2011 in der Dominikanischen Republik
16.07.2011
Völlig überraschend und spontan entschlossen sich Dr. Bonin aus der Tierklinik Hach in Frankfurt am Main und Dr. List aus Ludwigsburg, in ihrem Urlaub nach Sosúa zu kommen.
Die Entscheidung fiel am 12.07.
Am 13.07. wurden den ganzen Tag Flüge gesucht:
Bedingt durch die großen Ferien in Deutschland herrschte auch in dem beliebten Urlaubsziel Dom. Rep. Hochsaison und entsprechend ausgebucht waren die Flüge. Es gab in dem Zeitraum nur noch 2 Plätze, mit Rückflug von Santo Domingo anstatt, wie gewohnt, von Puerto Plata. Wir hatten die Option bis zum 15.07.
Es blieb spannend bis zuletzt: Würden die Ärzte, die eigentlich erst ab 20.08. Urlaub hatten, einen Tag früher reisen können?
Am späten Nachmittag des 14.07. kam die erlösende Nachricht:
Ja, es klappt!
Die beiden hochkarätigen Chirurgen hatten sich viel vorgenommen und wollten insbesondere möglichst viele Hündinnen kastrieren. Ihre Urlaubswünsche waren eher bescheiden:"Einen Cocktail im Sonnenuntergang...."
Wir waren sicher, dass Judy und die Freunde von der A.A.A.S als exzellente Gastgeber diesem Wunsch noch viele andere schöne Urlaubserlebnisse hinzufügen würden.
Unterkunft bot die wunderschöne Villa Samia, die auch schon Anja Hess beherbergt hatte.
Der Einsatz war als "community outreach clinic" geplant und fand in dem Ortsteil Charamicos statt. Im Gegensatz zu Trap/Neuter/Release Projekten, bei denen herrenlose Straßentiere eingefangen, kastriert, markiert und wieder freigelassen werden, wenden sich die community outreach clinics ganz besonders an die einheimischen Tierhalter der Gemeinde, in der sie stattfinden.Die Bewohner werden informiert, aufgeklärt und sensibilisiert, um sie von der Notwendigkeit, ihre Tiere kastrieren zu lassen, zu überzeugen.Sie erhalten nicht nur Instruktionen zur Tierhaltung und Pflege, sondern praktische Hilfe, Tiernahrung, Medikamente, Halsbänder und Leinen - für die meisten Dominikaner unerschwinglich - und kostenlose veterinärmedizinische Betreuung. Vielen armen Tierbesitzern wird es dadurch überhaupt erst ermöglicht, ihrem Tier etwas Gutes zu tun. Heute kann man in den ärmsten Behausungen von Sosúa und Umgebung Hunde in tadellosem Zustand finden.
Die A.A.A.S hat die Arbeit in den Gemeinden von Anfang an zu einem der Schwerpunkte ihrer Tätigkeit gemacht und so nicht nur die Lebensqualität unzähliger Tiere entscheidend verbessert, sondern sie bekämpft damit gleichzeitig die wesentliche Ursache des Straßenhundeelends: Aus den ungewollten Nachkommen unkastrierter Tiere der armen Bevölkerung entstehen die künftigen Straßenhundepopulationen. Die A.A.A.S hat auf diesem Gebiet große Erfolge ezielt. Während vor vier Jahren Dominikaner und Haitianer Kastrationen noch sehr skeptisch gegenüber standen und es zäher Überzeugungsarbeit bedurfte, um wenigstens den einen oder anderen dazu zu bewegen, sein Tier kastrieren zu lassen, haben die Leute inzwischen längst festgestellt, wie schön es ist, wenn der eigene Hund nicht 2 - 3 mal im Jahr Nachwuchs hat. Heute genügt ein einfacher Aushang in spanischer Sprache, der den nächsten Tierarzteinsatz ankündigt, um die Leute in Scharen herbeieilen zu lassen.
Schon bevor die Klinik öffnet, stehen sie Schlange.
Geduldig harren sie dann aus, den ganzen Tag, große und kleine Hundebesitzer, junge und alte…
Wie schon einmal, stellte die Feuerwehr von Charamicos ihr Gebäude als "Feldklinik" zu Verfügung.
Bei Aufnahme erhalten alle Tierbesitzer eine Nummer; die Tiere werden gewogen, alle Informationen über das Tier und seinen Gesundheitszustand werden schriftlich festgehalten. Dann wird ein Tape auf den Kopf des Tieres geklebt mit Nummer und Angaben zu Geschlecht und Gewicht, so dass keine Verwechslungen und Fehler passieren können.
Diesem Hundebesitzer musste erklärt werden, dass sein Hund noch etwas jung zum kastrieren sei. Stattdessen wurde er geimpft, entwurmt und gegen Flöhe und Zecken behandelt.
Die Feldklinik ist in einzelne Stationen unterteilt: Aufnahme, Vorbereitung, Instrumentendesinfektion, OP-Bereich, Aufwachstation. Jedem Bereich sind bestimmte Volontäre fest zugeteilt, die alle ihre Aufgaben perfekt beherrschen.
OP-Vorbereitung
Desinfektionsbereich
Die Aufwachstation vor dem großen Feuerwehrauto
Wie andere Ärzte zuvor, waren auch Dr. List und Dr. Bonin zutiefst beeindruckt von der Expertise von Judy's Team. " Da könnte sich so manches Team in einer deutschen Klinik ein Beispiel nehmen." meinte Dr. Bonin nach dem Einsatz. Wann immer der Arzt bei einer Hündin mit der Entfernung des 2. Eierstocks fertig war und sich dem Uterusstumpf zuwandte, rief er über die Schulter: "Den nächsten müde machen!" und in dem Moment, in dem der Hund vernäht war und vom Tisch gehoben wurde, lag auch schon der nächste vornarkotisiert, rasiert und intubiert darauf.
Dr. List und Dr. Bonin bei der Arbeit
23.08.2011
In der Nacht zum Dienstag tobte Hurrikan "Irene" in nordwestlicher Richtung an der Nordküste der Dominikanischen Republik entlang auf die Turks- und Caicosinseln und die Bahamas zu.
Dort wurde Hurrikanalarm ausgerufen. Mit Windgeschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern im Zentrum wurde "Irene" als Hurrikan der Kategorie 2 eingestuft.
Hier saßen wir mit bangen Gesichtern: Wie ergeht es Dr. List, Dr. Bonin und unseren Freunden in Sosúa?
Die Meldung aus Sosúa:
"Trotz des Hurrikaneinflusses arbeiten Dr. Bonin und Dr. List unermüdlich weiter und kastrieren bis zu 20 Tiere am Tag. Wir sind alle begeistert von diesen wunderbaren Ärzten!"
Bereits am Montag, dem 22.08. regnete es so stark, dass die Arbeit mittags eingestellt werden mußte. Viele Volontäre, die von ausserhalb kamen, hatten wegen der Straßenverhältnisse Probleme, nach Hause zurück zu kehren. In der Nacht zum 23. 08. zog der Hurrikan durch. In den frühen Morgenstunden, gegen 2:00, erreichte er seine höchsten Windgeschwindigkeiten. Morgens um 7:00 war der Sturm immer noch so heftig, dass an diesem Tag nicht operiert werden konnte. Mittwoch kehrte wieder Normalität ein. Dr. List und Dr. Bonin opferten dafür ihren einzigen "freien Tag", den Donnerstag und arbeiteten bis zu ihrem Abflug am Freitag durch.
Während einer "community outreach clinic herrscht auch im OP reges Treiben. Die dominikanischen und haitianischen Hundebesitzer wollen alles miterleben, beobachten und verstehen.
Ganz bewußt werden sie in das Geschehen miteinbezogen und, um die Bindung zu ihren Tieren zu stärken, nach Möglichkeit beteiligt, zum Beispiel in der Aufwachstation, wo die operierten Patienten mit Wärmflaschen, Decken und Liebe umsorgt werden, ihre Atmung überwacht wird und notwendige Impfungen gegeben oder Pflege wie Krallenschneiden durchgeführt wird..
Obwohl viele Dominikaner und Haitianer auch große Hunde besitzen, ist ihr Favorit der Chihuahua, vorzüglich geeignet für enge Behausungen und schmale Geldbörsen.
Die größten Erfolge hat die A.A.A.S mit ihrem Erziehungsprogramm bei Kindern. Sie lieben ihre Tiere heiß und innig und tun alles, um ihnen zu helfen.
Sie sind zutiefst beunruhigt, wenn die Patienten in Narkose sich nicht mehr rühren.
Ein Mädchen weinte herzzerreißend, als ihrem Hund der Venenkatheder gelegt wurde. Um so glücklicher war sie, als sie ihn nach der OP und in bester Verfassung wieder in die Arme schloss.
Schon die Jüngsten bringen ihre Tiere allein in die Klinik, zum Kastrieren oder um sich im Krankheitsfall Hilfe zu holen.
Dieser kleine Junge kam, weil sein Hund an Räude litt.
Über 600 Hunde betreut die A.A.A.S zur Zeit, Straßenhunde und Tiere armer Familien, die regelmäßig besucht und beraten werden und mit Futter, Medikamenten, Wurmkuren und Floh-, Milben- und Zeckenmitteln versorgt werden.
Alle Tiere, die kastriert werden müssen, werden in Listen geführt. Viele dieser Tiere waren auch Patienten der Klinik in Charamicos.
Doggie, einer von ihnen, litt unter einem bösartigen Tumor am Hinterbein, der zunächst für einen harmlosen Spinnenbiss gehalten wurde, bis eine Röntgenaufnahme im humanmedizinischen Hospital die Wahrheit ans Licht brachte.
Zunächst wurde an eine Amputation gedacht, doch Dr. List und Dr. Bonin konnten eine gliedmaßenerhaltende Op durchführen.
Doggie hat sich schnell erholt und wir hoffen alle, das sich keine Metastasen bilden.
Auch Jenda, von der A.A.A.S gerettet und in einer dominikanischen Familie plaziert, gehört in das Gemeindebetreuungsprogramm der A.A.A.S.
Sie kam diesmal, um kastriert zu werden.
Und nach der OP geht's nach Hause mit dem Krankentaxi dominikanischer Art

Eine ganz besondere Patenschaft wird den Tieren im "gesponsorten Haus" zuteil. Hier leben 4 Katzen und 5 Hunde; der Familienvater ist gestorben und das Geld ist äußerst knapp.
Eine kanadische Touristin wurde während ihres Urlaubs auf diese Familie aufmerksam und wollte unbedingt helfen. Seither schickt sie alle 2 Wochen eine Spende und die A.A.A.S liefert das Futter für die Tiere an die Familie. Wir wünschen uns mehr solche verantwortungsbewußte Touristen, die ihr Urlaubsland mit wachen Augen wahrnehmen!
Dezember 2010 fanden Volontäre der A.A.A.S eine Hündin mit Welpen auf einem kleinen Pfad. Sie folgten dem Pfad und entdeckten die selbstgebauten Hütten von etwa 30 Haitianern, die hier leben. Natürlich gehörten von da an auch deren Tiere zum A.A.A.S Programm. Sie sind nun alle kastriert, gesund, glücklich und werden von ihren Besitzern sehr geliebt.
Als Dr. List und Dr. Bonin am 26. 08. ins Flugzeug stiegen, hatten sie 63 Hündinnen, 14 Rüden, 3 Katzen, 1 Kater und einige Tumorpatienten operiert. Ihr Kommentar: "Wir können es kaum erwarten, wieder hinzufliegen!"
Und sie werden schon sehnsüchtig erwartet!. Wir sind überglücklich, dass diese großartigen Ärzte ihr Herz an die Karibik, ihre Menschen und ihre Tiere verloren haben.
Noch mehr Photos zu dem Einsatz finden Sie unter dem Link:
http://www.facebook.com/#!/media/set/?set=oa.10150272459827540&type=1
den Sie unter Umständen in Ihre Adressleiste kopieren müssen, um ihn zu öffnen.
Wir danken ganz besonders
Beate Karschny
Dolores Rohrer
Katrin John
Julia Reichel
Renate und Werner Wegner
Bruno Pauliks
Jürgen Kuchel
Marianne und Manfred Capellmann
Merve Pavell-Samelke
Christine Elbe
Erika Csatlos
Marion Krah
deren Spenden unter anderem das Projekt ermöglichten.